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Interview mit Urs Gantenbein

 

  • Was genau ist ein Schamane? Nach unseren Recherchen ist ein Schamane meistens als Mittler zwischen Menschen- und Geisterwelt definiert. Stimmst Du dem zu?

 

Die genaue Definition was ein Schamane ist, ist mittlerweile sehr subjektiv geprägt und die Meinungen dazu gehen weit auseinander. Das Wort entstammt dem evenkischen (d.h. Tungusischen/ Sibirien) šaman, dessen weitere Etymologie umstritten ist. Das Wort könnte eine Ableitung von der tungusischen Wurzel ša- (denken, wissen) sein. Eine anderen These zufolge fanden die Etymologen eine ähnliche Wortwurzel im Sanskrit „Xahman“ was soviel wie „Wissende/r“ bedeutet. Hier sehe ich den Zusammenhang, was aus meiner Sicht Schamanismus bedeutet. Ich sehe den Schamanen als eine Person, die Wissen und Erfahrung in sich trägt, die Wissen erarbeitet, erforscht und die es vor allem auf seine Wirksamkeit und den Nutzen geprüft hat und anwendet.


Dass diese Person Mittler/in zwischen den geistigen Welten und dieser Welt war und ist sehe ich ebenfalls so. Doch ist ein Schamane auch Vermittler in dieser Welt zwischen den Menschen.

 

  • Wie nimmst Du mit der überirdischen Welt Kontakt auf bzw. wie gelangst Du in diese Ekstase? Bedarf es hierfür Halluzinogenen?

 

Ich selbst arbeite ohne sogenannte „Lehrerpflanzen“. Die Methoden des Schamanismus welche ich anwende sind frei von halluzinogenen Substanzen. Um in die Geistigen Welten einzutauchen, um Kontakt mit Wesenheiten aufzunehmen, das Richtige Kraut für eine Person zu finden und um Vermittler zu sein, dafür bedarf es keine psychoaktive Hilfsmittel. Es gibt viele andere Techniken und „Werkzeuge“ die hilfreich sind. Meine Lieblingswerkzeuge dafür sind: Trommeln, Gesang, Bewegung und mentale Techniken. Diese helfen wissenschaftlich betrachtet mein Hirn aus der Beta-Welle in die Alpha- und Theta-Wellen zu bringen und damit in einem Bewusstsein zu agieren das weit weg ist von dem gewohnten (und angewöhnten) rationellen und logischen Denken. Dieser Zustand hat nichts mit Verwirrung oder Spinnerei zu tun. Es ist lediglich ein Zustand in dem der Verstand (der ansonsten wie angewöhnt alles versucht unter Kontrolle zu haben) stiller wird und ich bewege mich damit hin zu dem Zustand in dem ich „wirklich“ bin. Es gibt viele Namen für diesen Ort wie „Seele“, „Spirit“, „Höheres Selbst“ usw. Ich selbst nenne es gerne „Leere“ oder „das grosse Mysterium“. Diesen Zustand zu beschreiben ist nicht einfach, aber es gibt ein paar prägnante Unterschiede zum „normalen“ Wachbewusstsein. Es ist ein Ort wo die Dinge und Wesenheiten keine Namen mehr haben und keine Wertung mehr wie „gut“ oder „schlecht“ besitzen. Es ist ein Ort im Bewusstsein wo alles ist wie es ist. Es ist der Ort wo ich (im Idealfall) erkennen kann was die Ursache für eine energetische Disbalance in einem Körper ist und ich diese in Zusammenarbeit mit der heilsuchenden Person auch ausgleichen (=heilen) kann. Andererseits ist dies auch der „Bereich“ wo ein jeder Mensch Schöpfer sein kann. Aber dies auszuführen ginge nun zu weit.

Natürliche Halluzinogene, werden wie bereits erwähnt im Schamanismus und in anderen indigenen Methoden & Philosophien „Lehrerpflanzen“ genannt. Es gibt einige schamanische Wege die mit Lehrerpflanzen (psychoaktiven Substanzen) arbeiten. Jedoch gibt und gab es bereits bei den Urvölkern viele Traditionen und Methoden welche keine solche Lehrerpflanzen brauchen. Ich möchte hier noch darauf hinweisen dass diese Lehrerpflanzen nicht zum Spass eingenommen wurden oder um einfach einen Trip zu erleben. Sie galten als heilige Wissens- und Heilbringer. Spezielle Zeremonien wurden gemacht für die Ehrung dieser Pflanzen. Ebenfalls haben synthetisierte Halluzinogene nichts mit Lehrerpflanzen zu tun. Diese an Techno- und/oder anderen Partys einzunehmen halte ich ebenfalls nicht für eine schamanische Handlung. Leider gibt es auch Szenen welche das vermischen und ihre Konsumtrips versuchen als Schamanismus oder andere Philosophien und Lebenshaltungen darzustellen. Nun, es darf und soll natürlich jeder selbst entscheiden, aber aus meiner Sicht sind dies zwei ganz unterschiedliche paar Schuhe. Ausserdem sehe ich unsachgemässe (also die nicht rituelle/ zeremonielle) Nutzung dieser Substanzen, als ein Verbrechen an der Pflanze, sich Selbst und an der ganzen Menschheit an.

 

  • Wie muss man sich eine solche Kontaktaufnahme vorstellen? „Lauschst“ Du den Geistern zu und nimmst strikt ihre Befehle entgegen oder besteht ein Dialog?
     

Zuhören ist in jeder Welt ein „magischer“ Akt. Allein schon aus dem Grund weil es die wenigsten Menschen noch können. Meist warten die Leute nur darauf bis sie endlich sprechen können und hören nicht hin was der andere zu sagen hat.

Wenn ich die Wesenheiten um Rat frage, ihnen lausche und sie mir ihre Sicht der Dinge erzählen, dann höre ich zu bis zum letzten Wort zu was sie mir sagen. Dann bedanke ich mich für das Gesagte. Ich schaue für mich an was sie mir erzählten, stelle Fragen wo ich etwas nicht verstehe und frage nach wenn ich Genaueres wissen will. Auch frage ich gerne nach warum sie mir erzählen was sie mir erzählen. Dazu ist zu erwähnen dass sie nicht nur oder nicht immer in Worten kommunizieren. Oft sind es Bilder oder Symbolsprachen.


Die grösste Schwierigkeit und somit der wichtigste Punkt an dem ein schamanisch Tätiger an sich selbst arbeiten muss, liegt im abgrenzen können was eigene Interpretation ist (oder z.B. ganz und gar ein eigenes Thema) und was tatsächlich das Gegenüber betrifft. Es ist wichtig zu erkennen was „wirkliche“ Wahrnehmung ist, also wirklich von der geistigen Welt, den Verbündeten und Helferwesen kommt. Das ist der Punkt an dem der schamanisch Tätige steht oder fällt.

Wichtig zu verstehen ist aus meiner Sicht, dass die schamanisierende Person in keinerlei Weise sich danach richten“ muss“ was die Geistige Welt ihr sagt oder empfiehlt und auch keinerlei Befehle entgegenzunehmen hat. Jede Person ist ab einem gewissen Alter hundertprozentig für sich selbst, sein tun und sein Handeln verantwortlich. Es unterliegt immer der Entscheidung des schamanisch Tätigen (genau so wie allen anderen Menschen auch), ob er das was die Geistige aber
auch diese Welt ihm anrät auch ausführen will oder nicht. Genauso wie schlussendlich immer der Ratsuchende, der zu einem Schamanen oder anderen unterstützenden Leuten in Behandlung geht, mitentscheidet ob er das was der Schamane tut oder empfiehlt annimmt oder nicht. Aber Vorsicht, hier hat sich eine gängige Ausweich-Methode entwickelt von Un- und Halbwissenden, welche sich in schamanischen oder ähnlichen Arbeitsweisen bewegen; wenn es nicht wirkt wird dann einfach die Schuld an den Klienten übergeben, weil der die Heilung ja nicht zugelassen hat.
Wenn eine Person als Vermittler tätig sein will, dann muss das Können des Vermittlers auch darin liegen die Dinge so rüberzubringen, dass es möglich ist für die Person es auch anzunehmen. Das heisst es gibt hier (wie an sich in jedem Bereich wo mit Menschen gearbeitet wird), keine standardisierten Vorgehensweisen, keine Grundsatzrituale keine Allheilmittel die für jeden gleich sind und immer wirken. Was für den einen das Richtige ist, kann für den andern das Verkehrteste überhaupt sein. Wenn etwas nicht funktioniert, dann ist immer erst die Frage notwendig: hat tatsächlich gar nichts gewirkt? Manchmal sind es ganz kleine Dinge die anzeigen dass sich etwas verändert. Aber wenn es noch nicht einmal im kleinsten eine Veränderung gab, sollte weiter geschaut werden, warum es nicht gewirkt hat. Die Geistige Welt wird es dem schamanisch Tätigen sagen, und der wir hoffentlich dann die „richtigen“ Entscheidungen fällen was zu tun ist.

 

  • Das bringt uns gerade zur nächsten Frage: Was für eine Hierarchie besteht zwischen Dir, den Geistern und Deinen nichtschamanischen Mitmenschen? Gleicht es der im älteren Christentum herrschenden Beziehung zwischen Gott, Klerus und (blöd gesagt) Bauer?

 

Ich kenne in dem Sinne keine Hierarchie gegenüber anderen Wesen, sei es in dieser Welt oder in anderen. Ich sehe die Zusammenarbeit mit meinen geistigen Verbündeten auf einer Ebene von Gleichberechtigten; sich auf Augenhöhe begegnende Wesen, die sich gegenseitig respektieren und akzeptieren und die dem anderen seine Talente wie auch Schwächen kennen und diese miteinander so kompensieren und auch fördern, damit das Bestmögliche für alles und jeden getan werden kann.

Dennoch gibt es Kräfte die aus meiner Sicht unanfechtbar sind. Wenn sich Mutter/ Vater Kreation entschieden haben, dann kann ich mit der Feder wedeln wie ich will. Ob sich dies jemals ändern wird werden wir sehen, aber ich habe das Gefühl, dass es gut ist, wenn nicht in alles eingegriffen werden kann. Denn in den schöpferischen Kräften empfinde ich wesentlich mehr Intelligenz und Wissen als in mir als Person.
Es ist zu verstehen dass ich mich als schamanisch Tätiger im Dienste der Schöpfung stehend sehe und für die Kreation und das Leben arbeite. Eine Tätigkeit zu der ich mich berufen fühle seit ich 12 Jahre alt bin, und eine Tätigkeit zu der ich berufen wurde durch die geistige Welt.

 

  • Ist Schamane ein Beruf? Wenn ja, welcher Branche würdest Du ihn zuordnen (ist er eine Art Arzt, Pfarrer, Psychologe, Wahrsager…)?
    Wenn nein, warum nicht? – Du verdienst ja schliesslich Dein Geld damit.

 

Ja Schamane ist ein Beruf, zu dieser Arbeit fühlt die Person sich berufen, und sie wird dazu berufen.
Die Branche ist aus meiner Sicht: Dienstleistung, Beratung, Wegbegleiter.

 

  • Was trifft für dich eher zu? Schamanismus ist: a) ein Glaube
    b) eine Naturphilosophie c) eine Wissenschaft (Der Wortstamm „Schaman“ bedeutet ja in verschiedenen Sprachen „der Wissende“.)

 

Aus meiner Sicht ist Schamanismus eine Verschmelzung von b) und c). Es ist eine Philosophie, eine Denkweise und vor allem eine Handlungsweise, wie ich mein Leben lebe, was ich in meinem Leben angehe. Gleichzeitig ist es eine Wissenschaft. Schamanismus ist erklärbar, auch wenn er andere Masseinheiten benutzt als die konventionelle Wissenschaft. Vor allem aber findet die moderne Wissenschaft je länger je mehr Erklärungen für Dinge und Phänomene die vor Jahrhunderten noch als magisch und übernatürlich beschrieben wurden. Wir können heute über Frequenzen Radio hören, Bilder über Satelliten in alle Welt verschicken. Das alles basiert auf Frequenzen, Wellen, Schwingungen. Lustigerweise arbeiten schamanisch Tätige und andere energetisch arbeitende Personen ebenfalls mit Frequenzen und Schwingungen und Energien. Nur kann (oder will) die Wissenschaft diese noch nicht Messen (können).

 

 

  • Wer kann/darf sich als Schamane bezeichnen? Wir lasen von Vererbung, überzähligen Knochen und Schamanenkrankheiten.

 

Diese Frage ist und wird oft sehr heiss und meist sehr emotionsgeladen diskutiert. Ich sehe dies so, dass der Schamane weiss wann er/ sie sich als Schamane bezeichnen kann/ darf.
Als Hinweis dazu: es ist ein Wissen das jenseits von Selbstwichtigkeit, Regeln, Normen und Kulturellem kommt. Ich selbst nenne mich schamanisch Tätiger. Mehr ist nicht nötig, es macht für mich keinen Unterschied mehr.

 

  • Wie wurdest Du zum Schamane?

 

Ich bin als solcher geboren. Ich bin damit durch die Gesellschaft gegangen und lernte all das was es braucht um in dieser Gesellschaft leben zu können. Dadurch verlernte ich was ich eigentlich bin. Und obwohl ich vieles verlernte war ich nicht Teil der Masse, ich stand immer am Rand, ich war anders. Wenn ich heute ADS- und ADHS-Kinder sehe, dann bin ich dankbar dass ich (auch wenn ich in einer Gesellschaft aufwuchs die noch weniger Toleranz für „anders sein“ hatte als heute), zu einer Zeit aufwuchs, in der die Kinder wenigstens noch nicht mit Drogen gefügig gemacht wurden und einer Norm von Denken und Sein angepasst wurden, die ... nun ja,... schau dich um und Du darfst selbst entscheiden wohin diese Denkweise uns führte, und wenn wir nichts ändern uns führen wird.

Mit zwölf Jahren gab es ein Ereignis in meinem Leben: es war der plötzliche und überraschende Tod meines Vaters. Dieses Ereignis hat mich auf einen Schlag aus den gängigen Denkmustern herausgerissen. Ich begann alles zu hinterfragen und suchte nach Sinn. Gott war für mich in dem Moment tot. Oder ich sage es lieber so wie es wirklich war: das was mir von Gott erzählt wurde von den „dafür Zuständigen“ war für mich nicht mehr nachvollziehbar, es machte keinen Sinn. Dieses Ereignis war in jenem Moment zu widersprüchlich, als dass es logisch, emotional, intuitiv oder spirituell nachvollziehbar war. So begann ich zu suchen, zuerst in den christlichen Schriften, dann in jüdischen, islamischen, buddhistischen, hinduistischen, und keltischen. Sie alle brachten Hinweise und interessante Denkansätze, doch keine gab mir die Antworten die ich brauchte. In jener Zeit begannen auch meine Hände immer Hitze abzusenden. Ich lernte später dass dies „offene Hand-Chakren“ sind, Energiezentren die unter anderem zum Heilen genutzt werden können. Da sich meine Mutter zu der Zeit schon mehr als 10 Jahre mit Fussreflexzonen-Massage und Reiki beschäftigte, hatte ich bereits eine Idee was es sein könnte. Und so wünschte ich mir im Jahre 1992 zum 16 Geburtstag, kurz bevor meine Landschaftsgärtner-Lehre begann, meine erste Heilerausbildung. Energien wahrnehmen, spüren, fliessen lassen, usw usf.

Aber das Ganze war vorerst zu viel für mich, denn mir fehlten meine Wurzeln und ich ging nach Erfahrung und Sinn suchend durch die Adoleszenz. Dabei nutzte ich die erlernten heilerischen Methoden für mich, um an mir zu arbeiten. Ich lernte wie ich Kopfschmerzen lösen oder Bauchweh „wegmachen“ kann. Mit solchen „kleinen“ Krankheiten und ausschliesslich an mir selbst begann ich meine heilerischen Pfade. Sie waren bereits da sehr wichtig für mich, aber ich behielt sie vorerst tief in mir versteckt, denn für das „mich anderen gegenüber öffnen“, dafür erntete ich lange nur Spott und Hohn. Längere Zeit später, im Jahre 1999 auf meinen Reisen in Australien kam ich zu einem Kräuterheiler, der mir half wie ich es zuvor noch nicht erlebt hatte. Aufgrund dessen entschied ich mich, mich voll einzulassen auf den Weg, den ich bereits angefangen hatte zu beschreiten. Ich kam zurück in die Schweiz und schrieb mich für eine vierjährige berufsbegleitende Ausbildung zum Naturheilkundigen ein. Dort lernte ich vier verschiedene Massageformen, Phytotherapie, Diätethik und die dazugehörenden schulmedizinischen Fachgebiete und diplomierte im Jahre 2004. Gleichzeitig kam ich in Kontakt mit Schamanen und Geistheilern, welche aufgrund von einem gewissen Talent das ich in mir trug, oder vielleicht auch einfach weil ich nervig genug war ;) ihr Wissen mit mir teilten. Einerseits geschah dies in Form von Seminaren, andererseits über direktes 1:1 lernen. So lernte ich Techniken und Methoden um zu verstehen, was es denn ist, was da in mir schlummert bzw. tobt. So begann die Arbeit an der eigenen Persönlichkeit; das Balancieren des eigenen Selbst, das Ausrichten der Gedanken, Zeremonien und Rituale zum Finden und Rufen der eigenen Verbündeten, Visionssuchen zur Erkenntnis des Sinnes warum ich hier war, ... und endlich fand ich das wonach ich solange gesucht hatte.

Ich fand Antworten. Es waren aber nicht meine Lehrer die mir diese Antworten „vorgaben“, mir die Welt erklärten und mir sagten was ich zu tun hatte. Sie halfen mir vielmehr das zu erkennen, zu verstehen, in mir selbst zu finden, warum ich wirklich hier bin, und unterstützten mich dies wirklich in diese Welt zu tragen. Sie forderten und förderten meine Talente und vor allem meine Schwächen hin zu Stärken. Und so kamen die Initiationen und die Berufung und ich wusste was zu tun ist. Nach fast 6 Jahren Ausbildung wagte ich den Schritt. Ich rief Ursa Maior ins Leben, die Form durch die ich meine Vision ins Leben trage.

 

  • Wie kam Dein Name Ursa Maior zustande? Warum schreibst Du Dich „Maior“ nicht „Major“?

 

Ursa Maior ist das Sternbild welches wir am ehesten unter dem Namen „der Grosse Wagen“ oder „die Grosse Bärin“ kennen. Dies ist ein zirkumpolares Sternbild, welches ganzjährlich auf der nördlichen Hemisphäre sichtbar ist. Ursa Maior ist der offizielle astronomische und somit aus dem lateinischen stammende Namen (dies ist auch der Grund warum Maior mit „i“ geschrieben wird) für dieses Sternbild. Es ist eines der signifikantesten am Sternenhimmel und ist für die Orientierung in der Nacht hilfreich, denn über dieses Sternbild mit seiner sehr hohen Leuchtkraft ist es möglich das Sternbild „kleiner Bär“ bzw. „Ursa Minor“ zu finden. An dessen Deichsel ist der Polarstern zu finden, der uns sehr exakt den Norden zeigt. Somit stellt er einer der wichtigsten Wegweiser für Reisende dar. Meine Arbeit ist es, die Leute welche zu mir kommen dabei zu unterstützen ihre eigene Vision, die ich ebenfalls als Stern verstehe, zu finden und ihr zu folgen. Ich helfe ihnen ihre eigene Orientierungshilfe zu finden wenn sie dies wollen. Die Metapher des Sternzeichens Ursa Maior habe ich deshalb gewählt, weil nicht ich dieser Wegweiser oder eben diese Orientierungshilfe des einzelnen Menschen bin (denn sonst hätte ich es „Polarstern“ nennen müssen). Ich bin mit meinen Methoden „nur“ Hilfestellung und Unterstützung um das zu finden, was ohnehin bereits im Menschen liegt, um seinen eigenen Wegweiser, seine Vision zu finden. Ich gebe Methoden und Werkzeuge weiter, mit denen Ratsuchende all das aus dem Weg räumen können, was sie hindert das zu tun was sie wirklich tun wollen, und das zu sein was sie wirklich sind.

 

  • Kannst Du ausschliesslich vom Praktizieren als Schamane leben?

 

Es geht durchaus ausschliesslich davon zu leben. Doch müsste ich momentan Kompromisse schliessen, die ich nicht schliessen will. Ich habe mir selbst als ich mit meinem Beruf nach aussen ging gesagt, dass ich meine Möglichkeiten nach bestem Gewissen einsetzen will. Und somit räumte ich mir uneingeschränkt das Recht ein “Nein“ zu sagen wenn ich für mich erkenne dass eine Person bei mir nicht am richtigen Ort ist. Ich gebe mir die Freiheit, solche Personen an bekannte und vertraute Leute, von denen ich weiss dass sie ebenfalls mit reiner Absicht und mit bestem Gewissen arbeiten, weiter zu verweisen. Dies bedeutet dass ich ab und an auch andere Arbeits-Aufträge annehme und etwas ganz anderes mache. So bin ich immer mal wieder als Freelancer anzutreffen, arbeite in einem Team und tue das was zu tun ist. Aber auch hier wähle ich es mir so, dass die Firma, die Firmenmentalität und der Teamgeist stimmt, ansonsten sage ich auch da: „Nein danke“.

 

  • Mit welchen allgemeinen Anliegen besuchen Dich deine Kunden; existiert eine bestimmte Zielgruppe nach der Du Dich ausrichtest?

 

Es gibt für mich in dem Sinne keine Zielgruppe. In Einzelsitzungen arbeite ich zum Beispiel mit schamanischen Methoden welche die Person unterstützt ihre Selbstheilung zu aktivieren. Meine Verbündeten und ich arbeiten dann „nur“ an der Energetik der Person. Für solche Einzelsitzungen kommen oft Leute zu mir, bei denen die Schulmedizin und heilpraktische Arbeit zu keinem Erfolg führten, sei dies nun bei körperlichen Beschwerden oder bei psychischen.

In schamanische Ausbildung kommen meist Menschen welche sich dazu berufen fühlen, welche in sich einen Heiler spüren und welche mit der Kraft der Elemente und der Erde und der Sonne arbeiten wollen. Menschen die bereit sind Erfahrungen zu machen, an sich zu arbeiten und ihre Balance suchen und finden wollen, sowie bereit sind dafür zu tun was nötig ist und an sich selbst zu arbeiten.

 

  • Inwiefern hat Deine Naturheilkundige Ausbildung Einfluss auf Deine Art des Schamanismus? Bist du eher ein eurasischer oder amerikanischer Schamane?

 

Ich habe europäische Wurzeln, bin allein schon von meiner körperlichen Erscheinung her eher ein allemannisch-keltischer Typ und als das fühle ich mich auch. Durch die letzten 2000 Jahre spirituelle Irreführung und Inquisition sind unsere lokalen und europäischen Wurzeln nahezu vollständig ausgelöscht worden. Doch haben wir das Glück, dass wir von Völkern lernen können, die das Erdwissen auch heute noch leben. Mit diesem oft „importierten“ Wissen können wir auch unsere eigenen Wurzeln hier wieder entdecken und beleben.

Die Heilkunde liess mich – auch durch die umfangreiche Schulmedizinische Ausbildung – erkennen, dass wir, wenn Naturheilkundige, Schulmediziner und Energetische Heiler alle zusammenarbeiten würden, eine höchst wirksame Heilkunde hätten, die für den Heilsuchenden in kürzester Zeit das Beste erwirken könnte. Die Naturheilkunde liess mich auch erkennen, dass es alternative Methoden gibt und lehrte mich die Grundsätze der holistischen Betrachtung von Mensch – Gesundheit – Krankheit.
Doch war es der Schamanismus, der mir das lösungsorientierte Denken brachte und mich weg vom gesellschaftlich antrainierten problem- und krankheitsorientierte Denken führte. Und aus meiner Sicht ist dies etwas vom Wichtigsten. Nicht jammern, sondern Lösungen suchen, die einfach, umsetzbar und vor allem
wirksam sind.

 

  • Hast Du Den Schamanismus quasi in die Schweiz importiert oder hatte schon immer eine Art von Schamanen hier existiert?

 

Auch in der Schweiz gab und gibt es Schamanen schon immer. Die wurden hier lediglich anders benannt. Unabhängig von Kultur und Ort gab und gibt es immer Menschen welche als Vermittler zwischen den Welten berufen sind, um für die anderen, für Menschen, Tiere und alle Wesen da zu sein und um diese zu unterstützen, um Balance und Ausgleich zu schaffen. Es gibt heute Gruppen die den Schamanismus mit © und TradeMark elitärisieren wollen. Ich halte diese Tendenz für achronolog und unsinnig. Denn es ist das Wissen der Erde und der geistigen Welten. Wer es empfangen kann und will, der soll es tun. Jene deren Arbeit wirksam ist, sollen damit nach Aussen gehen.

 

Was würden Du jemandem entgegnen, der Deine Methoden und Seminare als Scharlatanerie, also pure Abzocke bezeichnet?

 

Jeder darf denken was er will.
Aber ich würde ihn folgendes fragen:
Was verstehst Du denn unter Schamanismus?
Was hat Dich zu deiner Überzeugung gebracht?
Hast Du dies nur gehört? Oder hast du es selbst erfahren?
Könnte es sein, dass Du Schamanismus und/ oder andere wirksame energetische Arbeitsweisen mit Cold-Reading und 0900er Nummern verwechselst?

 

  • Wie überzeugst Du Skeptiker vom Schamanismus?

 

Ich muss niemanden überzeugen, die Skepsis ist eine wichtige Sache. Jede Methode muss von jedem einzelnen auf seine Wirksamkeit geprüft werden, denn wie schon anderweitig von mir gesagt: was für den einen das „Richtige“ ist, kann für den anderen von Grund auf „falsch“ sein. Das ist aber nicht der Fehler einer Methode! Jeder Mensch ist anders und braucht etwas anderes. Da liegt es aber auch an dem Praktizierenden, egal in welcher Form, dass er seine Selbstwichtigkeit beiseite legen kann um unter Umständen dem Ratsuchenden zu sagen: Du brauchst nicht meine Methode, Du brauchst aus meiner Sicht etwas anderes. In dem Moment in dem sich eine Person allerdings entschieden hat die Hilfe oder den Rat anzunehmen, muss sie sich auch entscheiden ob sie sich mit der Person und der Methode verbünden will, oder mit dem eigenen Problem. Wenn die Person sich mit ihrem eigenen Problem verbündet, kann von aussen auch nicht geholfen werden.

Für die Skeptiker, die nicht einfach – wie es gang und Gäbe ist – anderen glauben wollen, sondern selbst prüfen und erfahren wollen, sei hier aus meiner Sicht empfohlen, wenn ihr so etwas ausprobieren wollt dann ruft diese Leute an, macht ein Treffen mit ihnen aus, redet mit ihnen, und findet wirklich heraus ob das was die Person sagt oder erzählt für euch Sinn macht.

Aber es sei auch unterschieden ob es tatsächlich „Skepsis“ ist und der Wille sich ernsthaft zu informieren, sprich also eine Grundoffenheit bei der Person vorhanden ist, oder ob die Meinung bereits gemacht ist und es nur noch darum geht diese zu untermauern. Letzteres ist keine Skepsis! Sondern einfach nur ein Vorurteil ohne notwendiges Hintergrundwissen und Informationen.

 

  • Siehst Du eine Grenze bei Deiner Arbeit, die Du nicht überschreitest (ethisch, moralisch, etc.)?

 

Ja die gibt es, ich arbeite nur auf Anfrage und Bitte der Person. Es ist hier zu verstehen, dass auch die Frage nach Heilung ein wichtiger Teil der Zeremonie ist. Das hat nichts mit sich wichtig machen zu tun, sondern es ist bereits der erste Schritt zu Heilung. Anzufragen, zu erzählen wie die Situation ist, und zu fragen ob der Praktizierende eine mögliche Lösung dazu sieht gehört dazu. Diese Regel überschreite ich nur wenn die Person nicht selbst fähig ist zu fragen und ein(e)Angehörige(r) mich anfragt.
Alles was gegen das Leben ist, ist aus meiner Sicht nicht tragbar. Auch energetische Kämpfe und Kriege überschreiten für mich eine Schwelle, die ich nicht tolerieren will.

Kurzfristiges Denken und Handeln sind für mich ebenfalls nicht tragbar, sei es in meiner Arbeit oder auch im Leben allgemein. (Dies macht es für mich immer wieder sehr schwierig unsere Politik zu unterstützen. Dennoch hoffe ich jeweils die richtige Leute ins Parlament zu wählen und bei den Abstimmungen der richtigen Vorlage das Ja oder Nein zu geben.)

 

 

  • Letzte Frage: Wie unterscheidet sich Urs Gantenbein von Ursa Maior?

 

Ursa Maior ist eine Kraft, eine Auftraggeberin, ein Zeichen, eine Sigille, ein Wegweiser.

Ich bin Urs, ein Mensch so unperfekt wie jeder andere, ich lebe und arbeite schamanisch, mache Erfahrungen, lerne und lehre und ich will mit ganzem Herzen das bestmögliche aus mir herausholen um ein Teil der Lösung zu sein, hier, in und für diese und jede andere Welt.

 

Vielen Dank!


Ich danke ebenfalls: für das Interesse und für die interessanten und gut recherchierten Fragen. 

 

 

Das Interview wurde durchgeführt von Nick Grätzer
im Rahmen des Projektunterrichts
Berufe: „ausgefallen – exklusiv – absonderlich“